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ERKLÄRUNG

Netflix und die russische Regierung verbreiten gemeinsam Lügen über Trotzki

Esteban Volkov, ein Enkel Trotzkis, und das CEIP Leo Trotzki (Centro de Estudios, Investigaciones y Publicaciones) in Argentinien und Mexiko treten gemeinsam mit Intellektuellen und Persönlichkeiten aus der ganzen Welt entschlossen den Lügen entgegen, die über den russischen Revolutionär in der Netflix-Serie Trotzki verbreitet werden.

Das US-Unterhaltungsunternehmen Netflix hat kürzlich die Mini-Serie Trotzki ausgestrahlt, für die Alexander Kott und Konstantin Statsky Regie geführt haben. Die Sendung, die im November 2017 auf dem beliebten unter staatlicher Kontrolle stehenden Ersten Kanal in der Russischen Föderation Premiere feierte, behauptet ein Porträt des russischen Revolutionärs Leo Trotzki zu sein, doch sie ist kaum mehr als ein als historisches Drama getarnter politischer Angriff. Während die historische Ungenauigkeit der Serie selbst dem amateurhaftesten Historiker offenkundig ist, wirft bereits seine Existenz eine wichtige Frage auf. Warum hat Wladimir Putins staatlich geführter Sender einhundert Jahre nach der Russischen Revolution gerade Leo Trotzki als Subjekt für diese TV-Produktion mit großem Budget ausgewählt?

Angesichts Putins eigener stalinistischer Vergangenheit als Offizier des KGB und seiner unverblümten Nostalgie für das zaristische Großrussland kann man vom russischen Staatsfernsehen kaum erwarten, eine Serie in Auftrag zu geben, die ehrlich und objektiv das Leben und Wirken eines Mannes zu porträtieren, der gemeinsam mit Lenin der wichtigste Anführer der Oktoberrevolution war. Mit welchem Ziel haucht Putin in dieser Serie den Unwahrheiten über Trotzki neues Leben ein? Warum Revolutionäre der Vergangenheit mit Schmähungen überziehen, wo Russland doch den Kapitalismus bereits wiederhergestellt hat und nicht die neue russische Bourgeoisie oder Putin, der das Land seit 18 Jahren führt, ernsthaft in Frage zu stellen scheint? Und warum sollte Netflix, ein Medium, das Millionen Menschen auf der ganzen Welt erreicht, sich dafür eine entscheiden, eine solche Serie auszustrahlen?

Hier sind einige der wichtigsten historischen Fälschungen, die in der Show präsentiert werden:

Auch wenn die Serie keine Dokumentation im engeren Sinne ist, behaupten ihre Schöpfer, dass sie auf Fakten beruht. Dennoch erhält die Sendung eben jene Lügen aufrecht, die von Imperialist*innen, Zarist*innen und Stalinist*innen im 20. Jahrhundert eingesetzt wurden, um Trotzki und seine Anhänger zu untergraben, während die Bürokratisierung der UdSSR voranschritt. Diese Unwahrheiten wurden schon 1937 von der Dewey-Kommission widerlegt, einer in Mexiko durchgeführten Sonderermittlung, die Trotzki von den Anklagen freisprach, die während der Moskauer Prozesse gegen ihn erhoben wurden.

Entgegen aller historischen Beweise und im Widerspruch zu den Ansichten seiner Zeitgenoss*innen wird Trotzkis Persönlichkeit als egozentrisch, messianisch, autoritär, unmenschlich und kompetitiv dargestellt, was die Serie implizit mit seinen jüdischen Wurzeln verbindet. Im hohen Alter leidet er unter Halluzinationen, gequält von der Reue ob seiner „Verbrechen“ während der Revolution.

Frank Jacson (das Pseudonym des stalinistischen Agenten Ramón Mercader) wird in der Serie als ehrlicher, kritischer und sensibler stalinistischer Journalist dargestellt, der eine tiefe Beziehung mit Trotzki aufbaut, um seine Biographie zu schreiben. Tatsächlich waren Trotzki Mercaders stalinistische Überzeugungen nicht bekannt und ihre Beziehung beschränkte sich auf kurze Begegnungen; diese Treffen wurden stets von Mercader initiiert, der als Mitglied des NKWD den Auftrag erhalten hatte, ein Attentat auf Trotzki zu verüben. Er ermordete Trotzki schließlich im August 1940.

Die Serie stellt die Russischen Revolutionen schmerzhaft falsch dar. Die Arbeiter*innen, Bäuer*innen, Soldat*innen und das russische Volk werden dargestellt, als seien sie völlig von ambitionierten Anführern wie Lenin und Trotzki genötigt worden, als hätten diese alle ihre Entscheidungen an ihrer statt getroffen. Die Räte von 1905 werden zu bloßen Plattformen für die Reden dieser Individuen herabgesetzt. Es gibt keine Darstellung des Klassenkampfes, alle Konflikte werden auf kleinliche Auseinandersetzungen zwischen Individuen und Rachegelüste reduziert. In Wahrheit war die Revolution von 1917 eine der größten und radikalsten Massenbewegungen der Geschichte, nicht nur gegen den Zaren, sondern auch gegen die bürgerliche provisorische Regierung und Kornilows Konterrevolution. Sie stellte angeführt von den Bolschewiki die Rätemacht unter der aktiven Teilnahme der Ausgebeuteten und Unterdrückten her. Die Serie hingegen porträtiert die Revolution als kleinliches Streben nach Macht und die Revolutionäre als manipulative Psychopathen.

Sie verunglimpft Trotzkis Verhältnis zu Frauen. Trotzkis erste Frau Alexandra Sokolowskaja, selbst eine große Bolschewikin, wird als Hausfrau dargestellt, die von Trotzki gemeinsam mit ihren beiden Töchtern zurückgelassen wird. In Wahrheit war Alexandra die Anführerin eines marxistischen Zirkels, dem Trotzki beitrat, als er 16 Jahre alt war. Die beiden wurden mit ihren Töchtern nach Sibirien deportiert und Alexandra half Trotzki bei der Flucht, während sie in Russland blieb. Die Serie zeigt weiterhin Natalja Sedowa, seine zweite Frau, wie sie Trotzki mit ihrer Schönheit gefangen nimmt und anschließend die Rolle einer persönlichen Sekretärin und hingebungsvollen Hausfrau annimmt. Doch Natalja gehörte nach der Revolution auch dem sowjetischen Kommissariat für Bildung an und beaufsichtigte den Schutz von Museen und historischen Monumenten während der Kampfhandlungen. Noch problematischer ist allerdings die Darstellung von Trotzkis Beziehung zu seinen Kindern. Die Serie macht aus Trotzki einen pflichtvergessenen und distanzierten Vater, der von seinen politischen Ambitionen eingenommen wird. Er wird sogar gezeigt, wie er seine eigenen Söhne bei einem angeblichen Anschlagsversuch während der Revolution als menschliche Schutzschilde gebraucht. Die Serie bezieht sich wiederholt auf Trotzkis Schuld am Tod seiner Söhne, welche ihn bis zu seinem Tod heimsucht; es überrascht nicht, dass nicht erwähnt wird, welche Rolle der Stalinismus beim Mord an diesen Nachkommen gespielt haben. In Wahrheit unterstützen alle vier Kinder die politische Aktivität ihrer Eltern, besonders Leo Sedow, Trotzkis engster Mitarbeiter und Förderer sowie der Hauptorganisator der klandestinen russischen Linken Opposition. Dazu kommt, dass die große Larissa Reissner zu einer femme fatale herabgewürdigt wird, die (hauptsächlich sexuelle) Begleiterin Trotzkis im gepanzerten Zug. In Wahrheit schrieb Reissner über den Bürgerkrieg und nahm einen wichtigen Platz in der Fünften Armee und der Revolution insgesamt ein. Sie begab sich auf die Wolga-Flottille, beteiligte sich an den Kampfhandlungen und nahm an der Deutschen Revolution teil – sie war bis zu ihrem Tod 1926 einer der prominentesten weiblichen Kader der Bolschewiki.

Trotzkis Beziehung zu Lenin vor und während der Revolution wird als von gelegentlicher Zweckmäßigkeit einerseits und bitterem Kampf zweier Egos andererseits dargestellt. Das geht so weit, dass Lenin an einer Stelle erwägt, Trotzki von einem Balkon zu stoßen! Die Serie zeigt nicht, dass Lenin die führende Rolle in der Oktoberrevolution gespielt hat. Sie lässt ebenfalls aus, dass Lenin ab September 1917 im Zentralkomitee der Bolschewiki für einen sofortigen Aufstand plädierte, der der Beginn der Diktatur des Proletariats sein sollte, worin er und Trotzki übereinstimmten. Nach der Übernahme der Macht und in Erwartung des Rätekongresses ruhten sich die beiden gemeinsam auf Decken auf dem Boden aus und bereiteten den Kongress vor. Des Weiteren wird Stalin lediglich als Lenins Sekretär dargestellt, doch Lenins tatsächliche Einschätzung Stalins wird aus seinem Testament wie auch aus seiner Kritik an Stalins „großrussischem Chauvinismus“ in der Georgienfrage ersichtlich.

Während der Brest-Litowsk-Verhandlungen mit dem Deutschen Reich befiehlt Trotzki die Verbreitung subversiver Flugblätter, um eine Rebellion gegen den Kaiser zu provozieren, die jedoch scheitert und später als Rechtfertigung für die deutsche Offensive dient. Die großen Gegner der Vertragsunterzeichnung sind die ehemaligen zaristischen Generäle und nicht die Sozialrevolutionäre Partei, wie es tatsächlich der Fall war. Jacson wiederum wirft Trotzki vor, Russland nicht mit den Kosaken verteidigt zu haben. Hier kommt die prozaristische Sichtweise Putins wieder zum Vorschein. Die Serie lässt die Tatsache außer Acht, dass der Rätekongress den Friedensvertrag von Brest-Litowsk gebilligt hatte, der die Beteiligung Russlands am Ersten Weltkrieg beendete (eine der wichtigsten Forderungen der russischen Massen), und dass Russland mangels einer Antwort der Alliierten schließlich die Verhandlungen mit Deutschland aufgenommen hatte, wo der imperialistische Krieg von der Sozialdemokratischen Partei unterstützt wurde. Sowohl Trotzki als auch Lenin sahen in den Verhandlungen von Brest eine Plattform, um die Weltrevolution und besonders die Revolution in Deutschland voranzutreiben.

Als Trotzki mit der Bildung der Roten Armee beauftragt wird, zeigt die Serie, wie er den gepanzerten Zug als eine Mischung aus Rockstar, Sexsymbol und Mörder führt und sogar das Massaker an Dorfbewohner*innen während einer Beerdigung genehmigt. Sie zeigt, wie Trotzki 1918 auf eine Meuterei in Kronstadt (die tatsächlich 1921 stattfand) reagiert, indem er Anklagen fingiert und Zeugen unter Druck setzt, nur um den Anführer der Meuterei zum Tode zu verurteilen. Die Serie benennt nur die tschechische Offensive, nicht aber die 14 imperialistischen Armeen und die zaristischen Weiße Armee, denen sich die Rote Armee in der Weite des sowjetischen Territoriums entgegenstellen musste. Sie erwähnt weiterhin nicht die Jahre der imperialistischen Wirtschaftsblockade. Bezüglich der tatsächlichen Meuterei in Kronstadt 1921 muss berücksichtigt werden, dass sich die Zusammensetzung der Garnison völlig von derjenigen in 1917 unterschied, als sie die Avantgarde der Revolution war. Der konterrevolutionäre Charakter der Meuterei wurde auch dadurch bestätigt, dass die Nachricht sowohl in der internationalen Presse als auch der russischen Exilpresse zwei Wochen vor den Ereignissen bekannt wurde. Trotzki hob auch hervor, dass die Aktienmärkte positiv auf die Nachricht von der Meuterei in Kronstadt reagierten.

Die Gründung der Dritten Internationale wird in der Serie nie erwähnt, stattdessen erklärt Trotzki, er wolle die Welt erobern! Die Geschichte der Revolution endet mit dem Tod Lenins; das bedeutet, sie lässt die von Trotzki gegründete Linke Opposition aus; sie streicht die konterrevolutionäre Ära Stalins und die Moskauer Prozesse, wie auch die Verhaftungen, die Folter, die Gefangenschaft in Konzentrationslagern und die Ermordungen, die beinahe alle bolschewistischen Anführer*innen der Revolution und jeder, der im Verdacht stand, die Macht des bürokratischen Regimes abzulehnen, erleiden mussten. Die Serie stellt die Geschichte auf den Kopf und schreibt all diese Verbrechen Trotzki zu, darunter auch den Mord an den Romanows, eine weitere Lüge, da weder er noch Lenin hierzu den Auftrag gaben.

Erst in der letzten Episode taucht der wahre Name Jacsons auf, als jemand vom NKWD verlangt, dass er seinen Auftrag, Trotzki zu ermorden, erfüllt. Ein kranker Trotzki bittet Jacson in sein Haus. Unterdessen trifft ein Telegramm aus der kanadischen Botschaft ein, das Trotzki warnt, dass Jacson in Wahrheit Mercader ist. Trotzki greift nun Mercader an. Dieser schlägt daraufhin Trotzki mit einem Eispickel, der in Trotzkis Zimmer an der Wand hing, auf den Kopf; die Serie legt nahe, dass Trotzki Mercader provoziert hatte und dass letzterer ihn in Selbstverteidigung tötete. Sie verschleiert damit den Fakt, dass Stalin Trotzki umbringen wollte, weil er wusste, dass die Bedingungen des Zweiten Weltkriegs die politische Revolution auslösen könnten, die Trotzki für die UdSSR vorausgesehen hatte. Aus diesem Grund und in der Perspektive, eine sozialistische Revolution in den imperialistischen Ländern zu erreichen, gründeten Trotzki und seine Anhänger*innen die Vierte Internationale. In einem Gespräch zwischen Hitler und dem französischen Botschafter Robert Coulondre im August 1939 sagt Zweiterer, „Stalin spielte falsch“ und dass im Kriegsfall „der wirkliche Sieger Trotzki“ sein würde. Die imperialistische Bourgeoisie gab dem Gespenst der Revolution gern einen persönlichen Namen:Trotzki.

Letztendlich ist die Serie eine Rechtfertigung der Ermordung dieses "Monsters" namens Trotzki.

Wir, die Unterzeichnenden, weisen diese Verfälschung zurück, die darauf zielt, das wichtigste Ereignis im Kampf um die Emanzipation der arbeitenden Klassen von der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung sowie das Erbe ihrer wichtigsten Anführer zu begraben.

Esteban Volkov (Enkel Trotzkis) und CEIP (Centro de Estudios, Investigaciones y Publicaciones) Leo Trotzki (Argentinien, Mexiko)

Die Erklärung haben weiterhin unterzeichnet:



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